JVA Rockenberg als außerschulischen Lernort genutzt

Klasse 9c der Schrenzerschule besuchte die Anne Frank-Wanderausstellung

Butzbach(pm) In Vorbereitung auf die Klassenfahrt kam die Einladung zu Besuch einer Wanderausstellung zu Anne Frank in der JVA Rockenberg gerade recht. Klassenlehrerin Kim Eva Voigt-Hilberger zögerte keinen Moment und meldete ihre Klasse an. Das hat sich gelohnt, denn die Schülerinnen und Schüler haben sehr viel gelernt während dieses Unterrichtsgangs.

Durch die Ausstellung führten am 17. Mai die beiden jugendlichen Häftlinge K. und M., die ihre Aufgabe souverän meisterten: Während K. mit seiner Teilgruppe über Rassismus, Zugehörigkeit, Schubladendenken und Projekte gegen Rechtsradikalismus diskutierte und die Jugendlichen über das nachdachten, was ihnen in ihrem Leben wichtig ist, begab sich M. mit der anderen Gruppe auf eine durch viele Fotos unterstützte Zeitreise durch das Leben der Familie Frank. Um die Besucher mit einzubinden, wurden Fotokarten verteilt, Auszüge aus Judengesetzen vorgelesen und Ideen für Hintergründe gefordert. Auf diese Weise entstand eine tolle Lernatmosphäre und ganz nebenbei schwand die anfängliche Skepsis, mit Inhaftierten in Kontakt zu kommen.

Nach den jeweiligen Führungen blieb Zeit, das zu erfragen, was einen natürlich auch interessiert, wenn man schon mal im „Knast“ zu Besuch ist: „Wie sieht für einen Häftling der Alltag aus? Was machen sie eigentlich den ganzen Tag lang? Warum sind sie inhaftiert worden? Wie lange müssen sie noch bleiben? Muss man in einer JVA auch zur Schule gehen? Kann man dort eine Ausbildung machen? Was macht ihr in eurer Freizeit?…“ Der Fragenkatalog war schier unerschöpflich und die beiden kompetenten jungen Männer gaben bereitwillig und ehrlich die entsprechenden Antworten. So hatte der Besuch der im Schnitt 15-Jährigen aus der Klasse 9c in der JVA auch einen präventiven Charakter.

In der abschließenden Feedback-Runde wurde eines ganz klar deutlich: Alle Schülerinnen und Schüler nahmen etwas mit nachhause. „Ich habe heute gelernt, dass man nicht vorschnell über Menschen urteilen darf.“, sagte Paul. „Mir ist klar geworden, dass es falsch ist, Menschen in ‚Schubladen‘ zu sortieren, ohne sie vorher überhaupt gekannt zu haben.“, meinte Jasmin-Anastasia und – so wie viele andere – gab Albert den beiden jungen Häftlingen eine positive Rückmeldung zum zeitgeschichtlichen Teil der Ausstellung: „Es war spannend zu sehen, wie die Familie gelebt hat.“ Keiner hat den Besuch bereut.

„Schade nur, dass sich lediglich eine Klasse von drei angeschriebenen Butzbacher Schulen auf den Weg zu einem „besonderen“ außerschulischen Lernort gemacht hat. Wann hat man schon mal eine solche Gelegenheit? Außerdem macht Lernen außerhalb der Schule deutlich mehr Spaß als Unterricht im 45-Minuten-Takt.“, findet die Klassenlehrerin und ergänzt: „Das sind alles ganz normale Jugendliche hinter den hohen Mauern der JVA. Sie waren leider mit den falschen Leuten zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Sie wünscht sich weitere tolle Angebote seitens der JVA Rockenberg.

Begeisterte Schülerinnen und Schüler der Klasse 9c der Schrenzerschule vor den Mauern der JVA Rockenberg

Begeisterte Schülerinnen und Schüler der Klasse 9c der Schrenzerschule vor den Mauern der JVA Rockenberg

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