Ein bunter Strauß an Anregungen regt die Pädagogen der Schrenzerschule zum Nachdenken an

 Markus Brand plädiert für eine sichere Schrenzerschule -Auch das ist gelebte Demokratie

Als integrierte Gesamtschule steht bei der Schrenzerschule nicht nur die Vermittlung von Wissen und die gute Vorbereitung auf den Abschluss eine zentrale Rolle, vielmehr nehmen die Pädagogen auch ihre Erziehungsaufgabe sehr ernst. Ihnen ist deutlich, dass mit den Veränderungen in der Gesellschaft und den modernen Medien, die immer mehr an Bedeutung in der persönlichen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen spielen, auch neue Anforderungen an Schule gestellt werden. Regelmäßig werden daher pädagogische Tage an der Schrenzerschule veranstaltet, an denen pädagogische Fragestellungen in den Fokus genommen werden.

In diesem Schuljahr konnte der renommierte Diplomsozialarbeiter, Anti-Aggressivitätstrainer  und Mitbegründer des Deutschen Instituts für konfrontative Pädagogik, Markus Brand, mit finanzieller Unterstützung durch das Projekt „Demokratie leben“ der Stadt Butzbach als Referent gewonnen werden. Mit den bezeichnenden Worten „Konflikte geben Orientierung“ eröffnete Brand den diesjährigen pädagogischen Tag der Schrenzerschule. „Junge Menschen brauchen einen klaren Rahmen, an dem sie sich orientieren können. Sie brauchen Klarheit und Verbindlichkeit.“, führte er weiter aus. Handeln ohne Verbindlichkeit führe bei Kindern und Jugendlichen zu Verunsicherung, die sie immer wieder dazu verleite, Grenzen auszutesten, was häufig mit zeit- und nervenaufreibenden Konflikten verbunden ist. Nicht wegschauen, sondern bei Regelverstößen sofort aktiv werden und eingreifen, war seine Forderung. Langfristig führt Wegschauen dazu, dass problematische Verhaltensweisen vermehrt auftreten. Nur eine deutliche Reaktion mache deutlich, welche Verhaltensweisen erwünscht bzw. unerwünscht sind, gebe Orientierung und  zeige den Jugendlichen ihren Handlungsrahmen auf. Dabei sei es wichtig, dass alle Erziehenden an einem Strang ziehen – Teamspirit ist gefragt. Die Pädagogen einer Schule sind aufgefordert sich auf Normen zu einigen und diese gemeinschaftlich durchzuführen. Auch innerhalb eines Kollegiums gilt der bekannte Spruch „Gemeinsam sind wir stark“. Wenn Schüler das Gefühl haben, dass dem nicht so ist, besteht die Gefahr, dass sie versuchen, das System Schule und Unterricht auszuhebeln. Das Ziel muss sein,  eine Schule ohne Angst zu schaffen, an der Mobbing und Gewalt keinen Nährboden finden. Mit diesen Ausführungen stieß er bei dem Kollegium der Schrenzerschule auf offene Ohren. Immer wieder wurden seine Ausführungen mit Beifall quittiert. Markus Brand gelang es mit anschaulichen Beispielen und beinahe schauspielerischen Einlagen, den anwesenden Lehrern und Lehrerinnen auf eindrucksvolle Weise Einblicke in die Denkweise und Psyche junger Menschen zu verschaffen. Allzu oft beobachte er, dass auch erfahrene und engagierte Pädagogen und Sozialarbeiter sich dazu verführen lassen, die (Problem-)Pakete ihrer Klienten mit z.T. aufwändigen Maßnahmenlösen zu wollen, anstatt diese selbst in die Pflicht zu nehmen. Immer wieder betonte er, dass gerade schwierige Jugendliche über einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Mitmenschen verfügen, diese äußerst schnell und präzise einschätzen und ihre Schwachstellen finden können. Darauf müsse man sich einstellen. Nicht der erhobene Zeigefinger, lange Strafpredigten oder Verständnis seien hier gefragt, sondern die Fähigkeit, diese Jugendlichen emotional anzusprechen. Hierzu präsentierte der Anti-Aggressionstrainer in seiner launigen Art eine ganze Reihe von Beispielen aus seiner Arbeit mit straffällig gewordenen Jugendlichen. Mit eindrucksvollen, praktischen Interaktionsübungen vertiefte er seine Ausführungen. Brand wies darauf hin, dass man sich im Vorfeld natürlich genau und in Ruhe überlegen sollte, wie man stark auffällige Jugendliche im Einzelfall ansprechen sollte, um ihnen deutlich zu machen, wie problematisch ihr Verhalten auch für sie selbst ist. Wieder wusste er die zuhörenden Pädagogen durch zahlreiche Beispiele aus seiner langjährigen Berufspraxis  mit jugendlichen Straftätern in seinen Bann zu ziehen. Es geht darum, die Jugendlichen neugierig zu machen und originell anzusprechen, um sie zum Nachdenken über ihr eigenes Verhalten zu bringen. Markus Brand betonte, wie wichtig eine positive Grundeinstellung zu den jungen Menschen ist. Die betroffenen Jugendlichen müssen das Gefühl haben, ernstgenommen und respektiert zu werden. Trotz allem sei aber auch Hartnäckigkeit im Bemühen um eine Verhaltensänderung notwendig. Nur so kann man einen Zugang zu verhaltensauffälligen Jugendlichen finden. Die Demonstration von Macht zeigt nur, dass man die Kontrolle verloren hat. Wegschauen bei problematischen Verhalten, weil man meint, so seine Ruhe zu haben, ist gefährlich.

Immer wieder beklagte Brand, dass Tätern häufig viel mehr Empathie entgegengebracht wird als den Opfern. Jungen Menschen sei es nur schwer zu vermitteln, wenn Mitschüler, von denen sie sich drangsaliert fühlen, an erlebnispädagogischen Ausflügen teilnehmen dürfen, während sie als diejenigen, die sich an Regeln halten, die Schulbank drücken müssen. „Schafft ein Klima, in dem gutes Verhalten belohnt wird, macht Ausflüge mit Schülern, die sich sozial engagieren“, forderte er folgerichtig auf.

In der Abschlussrunde bedankte sich Schulleiter Achim Schwarz-Tuchscherer für den eindrucksvollen, in allen Teilen lebendigen und mitreißenden Vortrag von Markus Brand und die finanzielle Unterstützung durch das Projekt „Demokratie leben“ der Stadt Butzbach. Wie viele Kollegen gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass nun ein Handlungsfaden für das Kollegium gefunden ist, an dem weiter gearbeitet werden kann – gerne auch gemeinsam mit dem erfahrenen Fachreferenten für konfrontative Pädagogik, Markus Brand.

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