Mobbing geht alle etwas an

Mobbing ist ein Begriff, der heute in aller Munde ist. Doch was ist Mobbing? Wann spricht man von Mobbing? Wird mein Kind gemobbt? Was kann man gegen Mobbing tun? Diese und viele andere Fragen stellten sich die Eltern, Sozialpädagogen und Lehrkräfte, die der Einladung des Elternbeiratsvorsitzenden der Schrenzerschule, Carsten Wirth, zu einem Vortrag mit dem Titel „Mobbing und Cybermobbing“ in der Aula der Schrenzerschule   gefolgt waren. Als Referent konnte der Jugendkoordinator der Polizeidirektion Wetterau, Wolfgang Schulz gewonnen werden. Den Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Prävention.

Zunächst war es dem erfahrenen Referenten wichtig, den Begriff Mobbing zu klären: „Nicht alles, was als Mobbing bezeichnet wird, ist auch Mobbing“. Von Mobbing spricht man, wenn eine Person über längere Zeit wiederholt und systematisch verbal oder körperlich von einer einzelnen Person oder einer Gruppe angegriffen wird. Die gemobbte Person ist unterlegen und kann diese belastende Situation nicht alleine auflösen. Gefragt ist in diesen Situationen die Sensibilität der Lehrer, Sozialpädagogen und Freunde, besonders aber die  der Eltern. Denn auch nach der neuesten JIM-Studie (JIM = Jugend, Information, (Multi)Media, der zu Folge ca. 50000 der insgesamt ca. 10 Millionen deutschen Jugendlichen pro Jahr gemobbt werden, sind die Eltern  nach wie vor die wichtigsten Bezugspersonen der Kinder und Jugendlichen und werden  in mehr als 50% der Fälle als erste von den Betroffenen ins Vertrauen gezogen. An zweiter Stelle folgen Freunde, an dritter die Geschwister. Nur ein verschwindend kleiner Teil der Jugendlichen wenden sich mit ihren Problemen an offizielle Stellen wie Lehrer, Polizei oder direkt an die Provider. Letzteres sei im Übrigen ein Mittel, das viel zu selten genutzt werde. Die Provider seien nämlich gesetzlich verpflichtet, Posts mit verletzenden Inhalten zu löschen, teilweise würden auch die Nutzerkonten von den Urhebern gelöscht.

Das Leid der Gemobbten sei riesengroß. Auch hier spielen die Eltern eine tragende Rolle, einerseits als Vertrauensperson, aber auch als Wegbegleiter in ein selbstverantwortetes Leben. Sie schaffen das Fundament für ein gesundes Selbstvertrauen, das sich am besten in einer Umgebung von einem wertschätzenden Miteinander entwickeln kann. In der Schule gilt es für alle verbindliche Regeln zu haben und auf ein ausreichendes Sozialtraining etwa durch Klassenratsstunden Wert zu legen. Fälle von Mobbing müssen individuell in der Klassengemeinschaft bearbeitet und gelöst werden. Die Probleme müssen gemeinsam von Elternhaus und Schule angegangen werden. Im Einzelfall können auch weitere Institutionen wie der schulpsychologische Dienst oder die Arbeitsgemeinschaft gegen Gewalt bei der Polizei eingebunden werden.

Im Zeitalter der modernen Medien gewinne das Mobbing noch an Bedeutung. Während Facebook  an Bedeutung verloren habe, nutzen die Jugendlichen mit den allzeit verfügbaren Smartphones soziale Plattformen wie Whatsapp, Snapchat oder Instagram. Ein vernichtender Kommentar aus einem momentanen Ärger ist hier schnell geschrieben, ein blamables Foto schnell eingestellt. Häufig versuchen sich die Täter über ihr verletzendes Verhalten vor anderen zu profilieren – Macht zu gewinnen und Anerkennung zu finden. Schnell finden sich Mitläufer, die dies kommentieren oder sogar weitere diskriminierende Beiträge verfassen, schon gewinnt das anfänglich möglicherweise gar nicht so schlimme Ärgernis an Dimensionen, die nicht mehr steuerbar sind und die die Grenzen zum Gesetzesbruch schnell überschreiten. Nicht weniger gefährlich ist die Masse der Ermöglicher, die von all dem wissen, aber nichts unternehmen. Teilweise resultiert die Passivität aus der Angst, dann ausgeschlossen oder selbst gemobbt zu werden. Dabei wird jedoch vergessen, dass diese Passivität häufig dazu führt, dass das Mobbing immer weitere Kreise zieht.

Im Zeitalter, in dem schon sehr junge Menschen über eine Smartphone verfügen, sind die Eltern stark in der Pflicht, ihre Kinder  zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den modernen Medien zu erziehen. Auch vor einer regelmäßigen Kontrolle des Smartphones und Zeiten, in denen das Smartphone eingezogen wird z.B. in der Nacht, sollten sie nicht zurückschrecken, sondern dies als Teil ihrer Erziehungsaufgabe begreifen.

Im Anschluss an den spannenden Vortrag, den Schulz immer wieder mit praktischen, teilweise auch erschreckenden  Beispielen aus seiner  Arbeit bei der Polizei untermalte, nahmen die interessierten Zuhörer die Chance für eine Diskussionsrunde und Erfahrungsaustausch wahr. Hier wurde deutlich, wie wichtig die Zusammenarbeit, von Elternhaus, Schule und Schulsozialarbeit im Interesse der jungen Menschen ist.

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