Geschichte erleben / Geschichtsreisen-AG in Nürnberg und Fürth

Im Rahmen des Schulprogrammschwerpunkts „Lernorte im historisch-politischen Bereich“ der IGS-Schrenzerschule Butzbach, unterstützt durch das Bundesprogramm Demokratie Leben in Butzbach und des Fördervereins der Schrenzerschule, unternahm die Geschichtsreisen-AG unter der Leitung von Jessica Groß und Veronika Kieselstein, eine Lehrerin der Partnerschule Friedrich-Tschanter-Schule in Eilenburg, eine Studienfahrt nach Nürnberg und Fürth. Auf den Spuren des Nationalsozialismus machten die SchülerInnen aufregende Entdeckungen.

Höhepunkt des zweitägigen Aufenthalts war die Besichtigung des großen Areals des Reichsparteitagsgeländes, das  einen gewaltigen Eindruck bei den SchülerInnen hinterließ. Bei der zweistündigen Führung wurden die SchülerInnen mit dem „überdimensionalen“ Bau des Reichsparteitagsgeländes konfrontiert. „Man fühlte sich eingeschüchtert und untergeordnet.“, sagte die Schülerin Karina Albrecht. „Der  Bau wirkt blockartig: so klare und strenge Linienführung. Er gibt uns das Gefühl, dass  Deutschland während der Zeit Sicherheit und einen Führer brauchte“, so Lara Sophie Albert.  

Außerdem besichtigten die SchülerInnen  die beeindruckenden wenn auch einschüchternden und gigantische Baureste vom Größenwahn des nationalsozialistischen Regimes. Nachdem Adolf Hitler 1933 Nürnberg zur „Stadt der Reichparteitage“ erklärt hat, entstehen im Südosten Nürnbergs auf einem elf Quadratkilometer großen Areal monumentalen Bauten für die NS- Massenveranstaltungen zur Inszenierung der `Volksgemeinschaft´. Alle errichteten Gebäude/Tribüne, zum Beispiel die Zeppelintribüne,  Luitpoldhalle, und Kongresshalle dienten der Darstellung der Macht und Erhabenheit der Nationalsozialisten und zur Einschüchterung des Einzelnen.

Dabei erfuhren die SchülerInnen durch die dauerhafte Ausstellung „Faszination und Gewalt“ über die Ursachen, Zusammenhänge  und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Dabei stehen jene Themen, die einen direkten Bezug zu Nürnberg aufweisen unter anderem die Geschichte der Reichsparteitage, die Bauten des Reichsparteitagsgeländes, die “Nürnberger Gesetze” von 1935, und der “Nürnberger Prozess” gegen Hauptverantwortliche der NS-Verbrechen 1945/46. Hier wählte jeder Schüler einen bestimmten geschichtlichen Abschnitt aus und machte sich Aufzeichnungen.

Während der Führung wurden viele Fragen gestellt, die den Führer begeistert feststellen ließ, dass es heut zu Tage noch wissbegierige SchülerInnen gab. Es wurden viele verschiedene Bilder des Geländes gezeigt und verglichen, bei denen den SchülerInnen die Aufgabe erteilt wurde, zu erklären, wie sie die Bilder beeindruckten und was diese für sie bedeuteten.

Mit der Eröffnung des Dokumentationszentrums leistet die Stadt Nürnberg einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit.

Nach den vielen Eindrücken führte uns unsere Studienfahrt am zweiten Tag nach Fürth. Diese Stadt wurde im Gegensatz zu Nürnberg im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört. Firmen wie Grundig, Quelle und Metz begannen hier einen wirtschaftlichen Neustart. Über mehrere Jahrhunderte nahmen Juden regen Anteil am öffentlichen Leben, nachdem sie 1499 aus Nürnberg vertrieben wurden. Durch begabte Handwerker und Händler setzte ein spürbarer wirtschaftlicher Aufschwung in Fürth ein.

1617 wurde die erste Synagoge errichtet und 1653 das erste jüdische Krankenhaus gebaut. Ferner nahm man 1670 vertriebene Juden aus Wien auf. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts bekannte sich ein Viertel der Einwohner der Stadt Fürth zum jüdischen Glauben.

 

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ging ein Großteil der Fürther Juden in die Emigration. Die SchülerInnen erfuhren außerdem, dass der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger und seine Eltern die Stadt verließen. Diese Stadt vermittelte der Geschichtsreisen-AG abschließend einen Einblick in das Leben einer jüdischen Gemeinde.

Die Eindrücke und Erfahrungen der TeilnehmerInnen der Geschichtsreisen-AG werden in einem Video mit dem Thema „Was weiß die Jugend von heute über Nationalsozialismus?“ den Mitschülern im Rahmen des Geschichtsunterrichtes im April weitergegeben.

 

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