„Ich habe einen Kloß in meinem Hals“

Schrenzerschüler besuchen Schlachtfelder von Ypern in Westflandern

Geschichtsreisen AG - Ypern

Geschichtsreisen AG – Ypern

Ieper, (Ypern) Belgien –  Die Geschichtsreisen-AG der IGS Schrenzerschule durfte wieder Geschichte zum Anfassen vor Ort erleben: Ziel der Erkundungsfahrt war diesmal das belgischeYpern, das durch die deutschen Giftgasangriffe im ersten Weltkrieg traurige Berühmtheit erlangte. „Ich habe einen Kloß in meinem Hals, ich war überwältigt von  der Menge der Opfer, besonders junge Soldaten, die bis jetzt vermisst sind,“ sagte Lejla Huskic, Schülerin der IGS- Schrenzerschule Butzbach, während einer dreistündigen Führung im „In Flanders Fields Museum“ in Ieper, so der französische Name der Stadt.

„Die Sinnlosigkeit des Krieges – Material- und Menschenschlacht nacherleben“, war zuvor  als Rahmenthema von den Schülerinnen und Schülern unter der Leitung von Jessica Noeline Groß im Unterricht behandelt worden.  Im belgischen Ieper starben im Ersten Weltkrieg eine halbe Million Soldaten. Von 1914 bis 1918 verlief hier die Front und gleich im ersten Jahr wurde die Stadt völlig zerstört. Das „In Flanders Fields Museum“ konnten die Schüler und Schülerinnen der Geschichtsreisen-AG der Schrenzerschule das Grauen nacherleben. Später berichteten sie:  „Dort lernten wir mehr über die damalige Zeit während des Ersten Weltkrieges. Ieper selbst nennt sich heute Vredestad: Friedensstadt Es ist einer der furchtbarsten Schauplätze des Ersten Weltkriegs. „

Der Ort liegt inmitten der alten Schlachtfelder und ist umgeben von Friedhöfen und Gräbern soweit das Auge reicht. 500.000 Soldaten starben vor den Toren Iepers. Die jungen Geschichtsreisenden waren vor allem daran interessiert, sich in die Lage der damaligen Soldaten zu versetzen. Die Soldaten aus Belgien, Frankreich, England und Deutschland lebten in den Schützengräben in stetiger  Todesangst. Die Hoffnung, dass der Krieg zu Weihnachten 1914 fertig sein würde, wurde schnell zu Nichte gemacht. Das Grauen des Krieges stets vor Augen,  dachten die  Männer an ihre Familien in der Heimat.

Fasziniert betrachteten die Schrenzerschüler das animierte Landschaftsmodell, welches den Horror der ersten Kriegsmonate zeigte: von der Invasion Belgiens über den „Kindermord“ im nahen Langemarck bis zum verheerenden Brand in Ieper.  An anderen Stationen berichten historische Augenzeugen – dargestellt von Schauspielern – über ihre Flucht oder das ungeheuerliche Weihnachtsfest 1914, als Soldaten, die einander töten sollten, gemeinsam feierten. Durch den eisigen Wind draußen und die eindrucksvollen Exponate konnten die jungen Besucher ansatzweise die Gefühle und Horrorerlebnisse der Soldaten während dieser schlimmen Zeit nachempfinden. Ein deutscher Soldat namens Willi Siebert beschrieb seine Horrorerlebnisse mit dem ersten Gasangriff in der Geschichte, was wir sehen war Tod … Sogar das Ungeziefer war aus den Höhlen herausgekrochen, um zu sterben … der Gasgeruch hing in der Luft … Die französischen Schützengräben waren jetzt leer … und Leichen von erstickten französischen Soldaten lagen überall. Es war furchtbar … Dann sahen wir auch die Briten. An ihren zerkratzten Gesichtern und Hälsen konnten wir gut erkennen, dass sie verzweifelt versucht haben, Luft zu bekommen.

Nur die deutschen Truppen waren auf das Gas vorbereitet, die anderen hatten noch keine Gasmasken. Später wurde von allen Kriegsnationen Giftgas angewandt, wobei sogar die Pferde Gasmasken trugen. Ypern wurde zum Synonym für den Giftgaskrieg.

„Die Menschen, denen sowas zugestoßen ist, tun einem sehr leid. Wenn man heutzutage sowas sieht, zieht sich einem persönlich der Magen zusammen, da dies alles Rückstände des Krieges sind und sie ihr ganzes restliches Leben womöglich mit Schmerzen leben mussten“,  so Jessika Mehra.

Durch diese Führung wurde  klar, was die Soldaten durchmachen mussten, was für alle sehr schwer vorstellbar war.

Nach dem Besuch im Flanders Fields Museum setzte die Gruppe ihre Reise nachdenklich  fort,  in Richtung des Deutschen Friedhofes – Langemarck.

Hier fand im Oktober und November 1914 die erste Flandernschlacht statt. Ein verlustreicher, deutscher Angriff erfolgte am 10. November bei dem Dorf Langemarck. Die daran beteiligten Regimenter bestanden großenteils aus jungen Kriegsfreiwilligen. Der deutsche Soldatenfriedhof in Langemarck ist sehr schlicht gleichzeitig jedoch sehr ergreifend. Hinter dem monumentalen Tor aus rosafarbenem Sandstein sind ca. 44.000 deutsche Soldaten beerdigt. Fast 25.000 Kriegsopfer liegen in einem Massengrab. Es ist traurig zu sehen, dass viele Soldaten nicht gefunden wurden oder nicht identifiziert werden konnten … Was für die Familien sehr schwer sein musste, … unvorstellbar!, sagte Jared Celikkale.

Nach dieser ,,Erkundungsfahrt” neigte sich die Reise auch schon ihrem Ende zu, denn diese Erkundungsfahrt als auch die eindrucksvolle und unvergessliche Reise in die historische Stadt Ypern, wurde letztendlich mit der Heimreise nach Deutschland wieder beendet.

Der Besuch in Ieper (Ypern) und die Besichtigung des Deutschen Friedhofes Langemarck wurden durch die finanzielle Unterstützung der „Demokratie Leben- Butzbach“ und des Fördervereins der IGS- Schrenzerschule ermöglicht.

Ihre Erkenntnisse brachten die Schüler zu Papier und bereiten nun mit ihren Aufzeichnungen eine Ausstellung vor. Im Mai 2019 wird, mit weiteren Themen, eine Wanderausstellung für Besucher im Foyer des Alten Rathauses am Butzbacher Marktplatz gezeigt.  

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